Denn sie wissen nicht, was sie denken
06/01/2012
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Es ist Tradition insbesondere deutschsprachiger Soziologen, dass sie die Intelligenz von Experten über jene des Marktes stellen. Karl Weber ist ein gutes Beispiel für den Glauben an die Expertokratie. Ihm folgend würden wir auch in der nachobligatorischen Bildung das glückseligmachende “Einheitscurriculum” für die Dienstleistungsbranche suchen. Und “eine ordnungspolitische Begrenzung der Eigeninteressen der Bildungsanbieter” (Zitat) könnte die bösen und egoistischen Wettbewerbskräfte weiter zügeln.
Die Schweiz hat im Vergleich zum Ausland ein überaus vielfältiges und flexibles Bildungsangebot, das wir grossteils den Marktkräften verdanken. Und wir haben eine überaus tiefe Arbeitslosigkeit; auch bei jungen Menschen. Offenbar ist es um unser nachobligatorisches Bildungssystem nicht so schlecht bestellt. Natürlich haben wir Problemfelder, die zu bearbeiten und einer Lösung zuzuführen sind. Und ich gebe Karl Weber Recht; die Bildungspolitik ist gefordert. Aber ich denke in eine andere Richtung als Karl Weber. Ein Grossteil der berufsorientierten nachobligatorischen Bildung wird von Arbeitgebern materiell und immateriell unterstützt. Es ist überheblich zu glauben, dass Bildungsnachfrager in Abstimmung mit Arbeitgebern nicht in der Lage sein sollen, das für sie passende Bildungsprogramm auch unter zahlreichen Angeboten zu ermitteln. Es ist daher ein System gefragt, das noch rascher und flexibler auf den Strukturwandel in der Arbeitswelt reagiert. Die Lösung ist einfach: Mehr und nicht weniger Markt. Das hiesse auch, dass man die Subventionierungspolitik komplett überdenkt. Wenn man die Bildungsnachfrager und nicht die -anbieter unterstützt, werden Angebote, welche die Interessen der Arbeitswelt nicht zu befriedigen mögen, schnell verschwinden. Ohne grosse Büro- und Expertokratie bekämen wir ein effizientes, nachfrageorientiertes und arbeitsweltnahes berufliches Bildungssystem. In einem solchen System bräuchte es dann weniger Expertisen von Professoren, was aber deren Eigeninteressen begrenzen dürfte.
Reaktion auf “Wie die nachobligatorische Bildung zukunftsfähiger würde” von Karl Weber, erschienen in der NZZ vom 5.1.2012, Seite 19
Kategorien:Bildung
Berufsbildung, Marktregulierung

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